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Wir wohnen in Hamburg. Papabär, Mausebär und ich. Die Großeltern jeweils eine bzw zwei Autostunden entfernt Richtung Ostsee. Eigentlich die perfekte Entfernung, dachte ich. Nah genug für einen Wochenendbesuch – weit genug weg, dass sie nicht ständig auf der Matte stehen. Anfang des Jahres überraschten meine Eltern uns dann mit der frohen Botschaft, dass sie gern – unser Einverständnis vorausgesetzt – nach Hamburg ziehen würden. Eine Wohnung hätten sie schon gefunden. Drei Straßen von unserer entfernt.

 

„Ja, cool! Also, klar, ne? Finden wir gut! Oder?“ Am Abend mussten Papabär und ich erst mal eine Pro- und Kontra-Liste machen.

 

Immer wieder habe ich von jungen Paaren gehört, die auf dem Grundstück ihrer Eltern ein Haus bauen oder in einer Wohnung im selben Haus wie die Schwiegereltern wohnen. „Wie kann man nur?“, dachte ich immer. Viiiel zu nah. Zu viel Kontrolle und wahrscheinlich jeden Abend gemeinsam essen. In meiner Vorstellung kam es dem „für immer bei Mama wohnen bleiben“ ziemlich nah. Schrecklich!

 

Dann wurde ich Mutter….

Ich habe das erste Jahr mit dem Mausbär zu 100% und absolut genossen. Trotzdem war mir meine Mutter eine unbezahlbare Hilfe. Sie hat an so vielen Wochenenden geputzt, gekocht, gebügelt. Ist mit dem Mausbär spazieren gegangen, damit ich eine Runde schlafen oder mal in Ruhe duschen oder einfach Zeit mit dem Papabär verbringen konnte. Mein Vater ist einfach der glücklichste Mensch der Welt, wenn er mit dem Mausbär zusammen ist und auch der Kleine quietscht schon vor Freude und streckt die Ärmchen aus, wenn er Oma und Opa auf unsere Wohnung zukommen sieht. Wie könnte ich etwas dagegen haben, dass die beiden näher bei uns sind?

 

Meine Bedenken?

  • Seit der Geburt waren meine Eltern an jedem Wochenende, an dem sie es einrichten konnten, bei uns. Werden wir jemals wieder allein sein, wenn sie drei Straßen weiter wohnen?

  • Werden wir uns verpflichtet fühlen, uns regelmäßig zu treffen? Sie zum Essen einzuladen oder zu ihnen zu kommen? Wird der Gedanke, dass sie für uns her gezogen sind, die Beziehung belasten?

  • Werden sie sich zu sehr in unseren Alltag, unsere Lebensweise, unsere Haushaltsführung einmischen?

  • Ein Babysitter hält sich in der Regel an die Vorschriften. Zubettgeh-Zeit, was gibt’s zum Abendessen, wie viel Fernsehen ist erlaubt.

  • Genau da liegt meine größte Sorge: So sehr ich meine Eltern liebe – wir haben doch ein paar ziemlich unterschiedliche Ansichten, was die Erziehung, besonders das Essen, angeht. Während meine Eltern dem Mausbär ein großes Stück Kuchen in den Mund schieben, sagen sie gern: „Großeltern dürfen verwöhnen“. Für Großeltern, die zwei Mal im Jahr zu Besuch kommen, mag das stimmen. Aber Großeltern, die drei Straßen weiter wohnen…? Ist hier Streit unvermeidbar?

Dagegen steht auf der „Pro-Seite“:

  • Mit nur 10 Minuten Fußweg zu unserer Wohnung und ebenso schnell mit dem Fahrrad an der Kita, sind sie unfassbar schnell vor Ort, wenn der Mausbär krank ist. Das gibt mir und dem Papabär gerade beruflich eine wahnsinnige Sicherheit.

  • Wir sind beide Freiberufler. Das heißt zwar, dass wir sehr flexibel sind und unsere Urlaubstage niemals aufgebraucht, auf der anderen Seite verdienen wir auch an jedem Tag, an dem wir nicht arbeiten, einfach mal kein Geld. Kind-krank-Tage sind echt teuer…

  • Der Mausbär geht inzwischen von 9 bis maximal 15 Uhr in die Kita. Manchmal hätten meine Kunden mich aber auch gern am Nachmittag da. An vielen Veranstaltungen konnte ich nicht teilnehmen, weil sie länger als bis 14:30 Uhr gingen (meine absolute „Jetzt muss ich aber los!“-Grenze.) Oma und Opa könnten ihn schon mal abholen und auf dem Spielplatz oder auch zu Hause auf mich warten.

  • Zwei Mal hat der Mausbär schon allein bei seinen Großeltern übernachtet. Mehr Großeltern = mehr Kino oder Essengehen für Papabär und mich.

  • Sollten wir noch ein Mini-Bärchen bekommen wäre ich sicherlich über jede Unterstützung und jede helfende Hand froh.

  • Wir sparen unendlich viel Geld und Sorgen für Babysitter oder andere Fremdbetreuung.

Als ich mir die Liste so anguckte, bekam ich fast ein schlechtes Gewissen. Würde ich Oma und Opa ausnutzen um den Mausbär loszuwerden? Ganz sicher nicht! Auch wenn wir es nutzen würden, so wären wir aber bestimmt weniger oft zu zweit als zu fünft.

 

Wir alle sind ausgeprägte Familienmenschen und gern zusammen. Eine volle Wohnung fühlt sich für mich viel besser an als ein Tisch für zwei.

 

In meiner Idealvorstellung wird es mit Großeltern in der Nähe von allem mehr geben. Mehr Abende zu zweit, mehr Nachmittage mit allen. Mehr Teller abzuwaschen und mehr geputzte Fenster. Mehr Trubel und mehr Schlaf. Vor allem aber mehr glückliche Gesichter und wer könnte da schon nein sagen?

 

 

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