© Oscar Brunet / adobe.com

Stillen – das natürlichste und selbstverständlichste auf der Welt. Ist das so? Ich kenne viele Mamas, für die das Thema kein einfaches war. Für viele war es eine wunderschöne Erfahrung, bei anderen mit mindestens genau so viel Frust verbunden. Bei einigen hat es einfach nicht geklappt. Wenn ihr auch gerade mit dem Thema kämpft möchte ich euch sagen: Gebt nicht auf! Alles ist möglich.

Auch der Mausbär und ich hatten einen ziemlich holprigen Start. Aber wir haben es geschafft und obwohl viele „Experten“ meinten, nach zwei Monaten an der Flasche würde ich ihn garantiert nicht mehr zum anstrengenderen Trinken aus der Brust überreden können. Wir haben ihnen das Gegenteil bewiesen. Mittlerweile habe ich abgestillt. Ein langer, teils steiniger Weg ist zu Ende. 15 Monate voller Höhen und Tiefen. Sorgen, Glück, Tränen und Milch.

Ich hatte immer davon geträumt, wie es sein würde, wenn mein Baby auf der Welt wäre. Schon die ersten Stunden im Krankenhausbett hatte ich mir ausgemalt. Wie wir kuscheln würden, ich würde ihn stillen und voller Liebe sein Köpfchen betrachten. Dann würde er neben mir im Beistellbett schlummern bis wir nach Hause dürften. Dort würde es natürlich genau so weiter gehen.

Plötzlich und unerwartet kam der Mausbär dann in der 34. Woche zur Welt. 48 cm, 2200 Gramm. Es ging ihm gut, er atmete. Ich durfte ihn kurz halten, dann kam er auf die Frühchenstation, ich zwei Stockwerke tiefer auf die Gynäkologische. Ich durfte ihn besuchen, wann immer ich wollte, aber wir schliefen getrennt.

Zum Trinken war er zu schwach. Obwohl er sofort zu wissen schien, was er tun soll, schlief er nach wenigen schwachen Nuckelversuchen sofort wieder ein. Es gab aber auch noch nicht viel zu holen. Ich versuchte Milch abzupumpen – nichts. Die Stillberaterin war mein bester Chearleader. Jeden Tropfen sammelte sie mit einer winzigen Spritze und riesen Begeisterung von meiner Brustwarze. Tapfer trug ich mal zwei, mal vier Milliliter hoch auf die Frühchenstation. Irgendwann schaffte ich es, mit der Milchpumpe knappe zehn Milliliter zu zapfen. Neben mir im Stillzimmer saß eine Mutter und pumpte in der gleichen Zeit locker zwei komplette Fläschchen voll.

Alles muss fließen

Nach drei Tagen wurden wir in ein Kinderkrankenhaus verlegt. Ich weiß nicht, was es war. Die Emotionen, die Tatsache, dass ich im „Umzugsstress“ weniger gepumpt hatte, der langersehnte Milcheinschuss – am Abend hatte ich einen kolossalen Milchstau. Ich dachte, ich würde platzen. Meine Brüste waren gnubbelig, heiß und einfach unfassbar voll.

Im Kinderkrankenhaus gab es keine Hebamme, keine Stillberatung. Und kein Internet. „Vielleicht sollten Sie etwas weniger pumpen“, bekam ich als Rat. „Dann wird auch nicht mehr so viel produziert.“ Ich produziere doch kaum was, wunderte ich mich. Versuchte es aber und setzte eine Runde aus. Genau falsch. Die Schmerzen wurden nur noch schlimmer.

In der Nachtschicht kam eine erfahrene Schwester, die mir riet, heiß zu duschen und eventuell noch warme Tücher auf die Brüste zu legen. Dann pumpen und anschließend kalte, nasse Tücher auflegen. Unangenehm, langwierig, aber es half! Ich duschte ungefähr dreimal in der Nacht und tropfte mit nassen Tüchern im Zimmer herum. Und ich weinte. Ich sollte doch eigentlich noch schön schwanger auf dem Sofa sitzen, nicht mitten in der Nacht in einem ungemütlichen Kinderkrankenhaus unter der Dusche heulen! Am Telefon tröstete meine Schwester: „Lass es raus. Alles muss fließen.“ Und siehe da: Am Morgen waren die Schmerzen weg und die Milch floss!

Kleine Erfolge

Immer noch ohne Beratung pumpte ich weiterhin alle vier Stunden und versuchte auch nach wie vor, den Mausbär anzulegen. Und während ich inzwischen Flasche um Flasche füllte, trank er weiterhin nur wenige Tropfen. Er nahm ab, wog inzwischen nur noch zwei Kilo. Eine Magensonde musste her. Vier Tage nach seiner Geburt schrieb ich in mein Tagebuch: „Er hat beim Anlegen wieder sofort nach der Brust geschnappt und kurz und kräftig genuckelt. 16 ml Muttermilch gingen aus der Flasche hinterher, 5 ml sondiert. Wir feiern die kleinen Erfolge.“

Der Mausbär schlief und ich pumpte. Das Füttern kostet uns beide alle Kraft. Es dauerte eine Stunde, bis er seine 20 Milliliter getrunken hatte. Immer wieder schlief er ein. Kaum schaffte er die 20 ml in einigermaßen guter Zeit, erhöhten die Schwestern die Menge. 25 Milliliter. Es schien mir eine nicht machbare Aufgabe, aber irgendwann schafften wir es ohne Magensonde.

Nach zwei Wochen im Kinderkrankenhaus hatte er die 2500 Gramm erreicht. Endlich hieß es: Schafft er es einen Tag lang, alle Fläschchen auszutrinken ohne einzuschlafen, dürfen wir nach hause. Was soll ich sagen? Wir schafften es. Am Abend konnte uns der Papabär nach Hause holen.

„Wir haben ihre Milch eingefroren, lassen Sie sich eine Kühltasche mitbringen“, riet mir die Schwester. Was ich nicht bedacht hatte: Ich hatte seit Tagen alle vier Stunden rund 200 Milliliter gepumt. Der Mausbär 50 getrunken. Höchstens. Mit geschätzten zehn Litern gefrorener Muttermilch im Gepäck fuhren wir nach Hause.

Und nu?

Am nächsten Tag kam meine Hebamme. Sie ließ mich ihn einmal anlegen, empfahl mir ansonsten aber nur die verschiedensten Sauger, die dem Mausbär das Trinken erleichtern sollten und wog ihn regelmäßig. Wir probierten alle Sauger die wir bekommen konnten und führten Buch, wann er wie viel getrunken hatte. Als er 500 Milliliter an einem Tag trank, feierten wir.

Er wuchs und gedieh aber ich war unglücklich. Ich wollte mein Baby stillen. Ich saß nachts im Wohnzimmer an der Milchpumpe und alles floss.

Ich hatte Milch. Viel Milch – der Pumpe sei Dank. Er nahm die Brust, schien es auch zu wollen. Doch der Papabär und ich waren so sehr darauf fixiert, wissen zu wollen, ja zu müssen, wie viel er trank. Woher sollten wir wissen, wie viel er aus der Brust bekommen hatte? Meine Hebamme riet, ihn zu wiegen. Vor dem Stillen und danach. Dann wüssten wir es.
Also liehen wir eine Babywaage aus der Apotheke. Legten den Mausbär darauf und dann an. Er trank. Und wog anschließend weniger als vorher. „Auf 10 Gramm genau“ sagte die Apothekerin. Keine Hilfe, wenn es um jeden Milliliter geht. Ganz davon zu schweigen, was los war, wenn der Mausbär beim Trinken eine Ladung in die Windel drückte. Frisch gewickelt war die Vorher-Wiegung natürlich für die Katz.

Ich wurde genervt und verzweifelte immer mehr. Der nächste Rat: „Legen Sie ihn an und füttern anschließend mit der Flasche hinterher. Dann wird er schon genug bekommen.“ Also legte ich an, er trank. Anschließend die Flasche. Doch wie viel davon musste er nun noch trinken und wann konnten wir es gut sein lassen? In meinem Kopf schrie es noch immer „50 Milliliter! Alle vier Stunden!“.

Hör auf dein Gefühl – und deine große Schwester

Ich ging zur Stillberatung im Geburtskrankenhaus. „Geben Sie ihm zu einer Mahlzeit die Brust, zur nächsten die Flasche“ war ihr Rat. „Kein Zwischenfüttern. Wenn er hungrig genug ist, wird er schon trinken.“ Ich ging nach Hause und fühlte mich gar nicht wohl dabei. Ich rief meine große Schwester an. „Am liebsten würde ich nur noch stillen. Keine Flasche mehr. “ „Mach doch.“ „Aber dann kommt er alle halbe Stunde.“ „Na und?“ „Ich kann doch nicht den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen und stillen.“ „Warum denn nicht? Was hast du denn sonst zu tun?“ Nichts. Sie hatte Recht.

Der Mausbär und ich machten es uns zu Hause gemütlich und stillten. Er forderte Milch, ich legte an, er trank. Nach wenigen Schlucken schlief er ein. Doch bald weckte ihn der Hunger wieder. Irgendwann klippte ich das Stillshirt gar schon nicht mehr zu. Der Papabär versorgte mich mit Keksen, Spaghetti, Tee und noch mehr Keksen. So lebten wir einige, gar nicht so viele Tage, in unserer kleinen Milch-Symbiose. Und es wurde besser. Langsam aber stetig. Der Mausbär wurde stärker und wacher. Nur eine Woche nach dem Stichtag, zwei Monate nach der Geburt, verschwanden Pumpe und Fläschchen im Schrank. Noch heute bin ich unheimlich stolz auf den Mausbär und auf mich. Dass wir so ein starkes Team sind und dass wir nicht aufgaben und nach zwei Monaten mit der Flasche noch die totale Kehrtwende geschafft haben. So sehr ich die Pumpe hasste, dieses monotone Summen und Schmatzen, besonders nachts, totmüde und erschöpft im leeren Wohnzimmer – ohne sie hätten wir das nie geschafft. Ohne Pumpe hätte ich bald Milchpulver zu Hilfe nehmen müssen und sicherlich niemals voll stillen können.

Ich muss sagen, dass mir das Ende auch schwer gefallen ist. Ich wollte eigentlich nicht länger als ein Jahr stillen. Aber wie kann man etwas aufgeben, das man sich so hart erkämpft hat? Am Ende waren es 15 Monate. 15 anstrengende, kräftezehrende aber wunderschöne Monate, die ich um nichts in der Welt missen möchte. Und ich möchte euch sagen: es lohnt sich. Stillberaterinnen, Hebammen und andere Experten zu Rate zu ziehen ist immer eine gute Idee. Hier bekommt ihr wertvolle Tipps, gute Ratschläge und findet immer ein offenes Ohr. Am Ende hört aber auf euer Bauchgefühl. Und eure große Schwester (wenn ihr eine habt). Ihr und euer Baby seid es, auf die es ankommt. Ihr müsst euch bei der Sache gut fühlen. Und wenn die Tränen kommen, denkt immer daran: Alles muss fließen.


Eure Lene

by //