Es ist eine Szene, die viele Eltern kennen: In einer gemütlichen Krabbelrunde berichten Mütter oder auch Väter davon, was ihre Kinder schon alles können. Unweigerlich vergleichen wir im Kopf dieses Können mit der Leistung von unserem Nachwuchs. Warum kann der Louis schon krabbeln, unser Kind robbt sich aber noch durch die Gegend? Vier Zähne hat die Käthe schon? Bei uns zeigt sich gerade der erste Zahn.

Der Vergleich der Leistungen ist etwas, das Kinder ihre gesamte Kindheit hinweg prägt. Kaum sind sie geboren, wird geprüft, auf welcher Perzentile sie sich befinden. Gleiches gilt für die Untersuchungen und auch in Kindergarten und Schule nehmen die Vergleiche kein Ende. Dabei sind sie eigentlich sinnlos, denn: Jedes Kind ist anders!

Im Rahmen – die individuelle Entwicklung der Kinder

Gerade Eltern, die zum ersten Mal ein Kind bekommen haben, laufen Gefahr, in die Falle der Vergleiche zu gehen. Das ist meist ihrer Unsicherheit geschuldet. Wer alles richtig machen möchte, geht auf die Suche nach Hinweisen und Tipps, worauf zu achten ist. Unweigerlich werden hier die ersten Vergleiche gezogen, die oft schon in der Schwangerschaft beginnen. Die Größe des Bauches, Gewicht und Größe des Babys oder auch die eigene Gewichtszunahme – schon hier gilt, dass sich jedes Kind anders entwickelt.

Ist der Nachwuchs dann auf der Welt, geht es weiter. Vergleiche sind für Eltern oft eine gute Möglichkeit um einschätzen zu können, ob ihr Kind normal ist. Sie sind auch wichtig. Vor allem für den Arzt. Die Rahmenbedingungen für die U-Untersuchungen der Kinder sind jedoch als genau das zu sehen, was sie sind: Rahmen.

Die individuelle Entwicklung der Kinder ist ein besonders wichtiger Aspekt, der für Eltern und Kind gleichermaßen eine wichtige Rolle spielt. Unsicherheit darüber, ob das eigene Kind sich normal entwickelt, wird vor allem durch den Arzt oder auch durch andere Eltern geschürt.

Ratgeber und Entwicklungshinweise mit Vorsicht genießen

Wir finden, Ratgeber und Hinweise zu den einzelnen Entwicklungsschritten sind für Eltern besonders wichtig. Sie können dabei helfen mehr darüber zu erfahren, wie und in welchem Zeitraum sich Kinder entwickeln. Dennoch sollten sich Eltern bewusst machen, dass es sich um den allgemeinen Durchschnitt handelt.

Genau das sind Kinder jedoch nicht – der Durchschnitt. Bereits Kleinigkeiten können dafür sorgen, dass sich unsere Kinder in einem ganz anderen Tempo entwickeln. So braucht ein Frühchen vielleicht mehr Zeit, um das Krabbeln oder Sprechen zu lernen. Ein Kind, das in eine Familie geboren wird, in der bereits große Geschwister sind, eignet sich durch die Beobachtung dagegen schnell mehr Wissen an.

Eltern mit mehreren Kindern neigen ebenfalls zum Vergleichen. Sie denken daran zurück, wann das Erstgeborene mit dem Krabbeln oder Sprechen begonnen hat und prüfen nach, wie schwer es zur gleichen Zeit wie das Geschwisterchen gewesen ist. Das ist ein durchaus normales Verhalten und häufig nicht als Problem anzusehen. Schwierig wird es dann, wenn wir damit beginnen, uns Sorgen zu machen.

Wann besteht Handlungsbedarf?

Der Vergleich mit anderen Kindern ist etwas, das bereits seit Jahrzehnten durchgeführt wird und grundsätzlich auch eine gewisse Sicherheit bietet. Wenn wir feststellen, dass sich unser Kind im gesunden Mittelfeld bewegt, ist das beruhigend. Im Rahmen der Vergleiche kann auch festgestellt werden, wenn die Entwicklung sich stark zu gleichaltrigen Kindern unterscheidet.

Hier sind Eltern unsicher, ab welchem Zeitpunkt Handlungsbedarf besteht. In Deutschland gibt es die U-Untersuchungen. In Hessen, Bayern und in Baden-Württemberg handelt es sich um verpflichtende Untersuchungen. In anderen Bundesländern liegt zwar keine Pflicht vor. Nehmen Eltern die Untersuchungen nicht wahr, erhalten Sie jedoch eine Erinnerung und – bei weiterer Weigerung – einen Besuch vom Jugendamt.

Die U-Untersuchungen sind für die Kinder wichtig. Sollten sich eklatante Entwicklungsverzögerungen zeigen, werden diese hier normalerweise erkannt und können behandelt werden.

Stellen Eltern fest, dass der Entwicklungsfortschritt ihres Kindes deutlich nachlässt, ist eine Untersuchung außerhalb der regulären Termine zu empfehlen.

Zeit nehmen und Zeit lassen

Ein besonders wichtiger Tipp, den wir sehr gerne an Eltern weitergeben möchten, ist es, sich Zeit zu nehmen und den Kindern Zeit zu lassen. Auch wenn es nur zu verständlich ist, dass Eltern jedem Entwicklungsschritt ihres Kindes entgegenfiebern, tun sie den Kindern den größten Gefallen, wenn sie sich in Geduld üben und sanfte Unterstützung anbieten.

Abhängig vom Alter der Kinder kann diese Unterstützung ganz unterschiedlich aussehen. Motivation und Verständnis sind für Kinder und Eltern die besten Begleiter. Für viele Eltern ist es einfacher, wenn sie sich immer wieder bewusst machen, dass jedes Kind anders ist und Vergleiche daher keinen Sinn machen.

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