Beginnen Geschwister damit, sich zu streiten oder ist es häufig der Fall, dass sie aneinander geraten, stehen Eltern dem oft unsicher gegenüber. Ab wann greife ich ein? Wie greife ich ein? Welche Behandlung ist gerecht?

Der Wunsch von Eltern ist es, dass Geschwister Freude aneinander haben, miteinander spielen und sich gegenseitig verstehen. Aber auch Streit kann die Beziehung von Geschwistern fördern.

Grundsätzlich haben Eltern natürlich die Aufgabe eines Vermittlers. Es ist wichtig, dass sie dabei keine Seite bevorzugen, sondern ganz klar herausfinden, worum es geht, wo das Problem liegt und wie die Lösung aussehen kann.

Zeit geben, das Streiten zu lernen

Der Auslöser für einen Streit unter Geschwistern kann völlig banal sein. Was wir Eltern als nicht wirklich wichtig empfinden, ist gerade für die Kleinsten jedoch ein Faktor, der für Unruhe sorgen kann. Auseinandersetzungen unter Geschwistern sollten nicht immer als etwas Schlechtes gesehen werden. Sie sind ein wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, eine Streitkultur zu erlernen, sich mit Argumenten erklären und auch Verständnis aufbringen zu können.

Das Lösen von Konflikten wird uns nicht in die Wiege gelegt. Wir erlernen es im Laufe unseres Lebens, wenn wir mit anderen Menschen in einen Konflikt geraten. Im Kindesalter sind dies Geschwister, Eltern oder auch Freunde im Kindergarten. Da Kinder das Bedürfnis haben, ihre Meinungen und Gefühle klar zu benennen, kann ein Streit sehr schnell ausarten. Genauso schnell beruhigen sich die Gemüter aber auch oft wieder.

Das heißt jedoch nicht, dass Eltern nur von außen zusehen und den Nachwuchs machen lassen sollen. Abhängig vom Alter ist die Unterstützung der Eltern ganz besonders wichtig. Hier geht es darum, sanft einzuwirken und den Kindern zu helfen, selbst Lösungen zu finden.

Wie bemerken Eltern, wann sie eingreifen sollten?

Streit ist nicht gleich Streit, daher fällt es Eltern oft sehr schwer einzuschätzen, ab wann sie eingreifen sollten und wann es noch Raum dafür gibt, dass die Geschwister den Streit selbst lösen können.

Die kleinen Diskussionen und ein leichtes Geplänkel sind hier die erste Phase. Die Kinder beginnen damit, ein wenig zu diskutieren, sie werden vielleicht auch etwas lauter. Das ist der Moment, wo die Eltern noch warten können. Die Kinder haben noch ausreichend Möglichkeiten, die Diskussion selbst in eine neue Richtung zu lenken.

Werden die Stimmen immer lauter und es kommt zu Tränen und Schimpfwörtern, dann ist die zweite Stufe von einem Streit erreicht und die Kinder haben vermutlich Probleme, diesen in den Griff zu bekommen. Hier ist der Punkt, an dem die Eltern das erste Mal einsetzen können. Durch einen kurzen Hinweis dazu, dass hier ja ganz schön viel Wut in der Luft ist, können die Kinder die Situation verlassen und die Chance nutzen, herunterzukommen. Eltern können Vorschläge für einen Kompromiss machen. Im Fokus sollte aber nach wie vor stehen, dass die Kinder eine Lösung selbst finden.

Kommt es zu Handgreiflichkeiten, ist es auf jeden Fall notwendig, einzugreifen. Die Kinder sollten erst einmal durch Worte und den Hinweis dazu, dass man sich hier möglicherweise gegenseitig weh tun kann, beruhigt werden. Es ist durchaus in Ordnung, dass es zu einigen Rangeleien kommt, diese sollten aber nicht ausarten und es ist dennoch notwendig, eine passende Lösung zu finden.

Sofort eingreifen sollten Eltern, wenn es zu Verletzungen kommt und der Streit immer mehr ausartet. Beleidigungen, Tritte oder auch Bisse dürfen nicht toleriert werden und sind auch kein Hinweis mehr darauf, dass die Kinder noch selbst zur Ruhe kommen. Die Kinder sollten getrennt werden, eine kleine Pause bekommen und anschließend gibt es ein Gespräch.

So reagieren Eltern besser nicht

Natürlich zerrt es an den Nerven, wenn sich die Kinder streiten. Eltern erreichen aber keine gute Streitkultur, wenn sie damit beginnen, ebenfalls laut zu werden oder einfach Entscheidungen treffen, ohne zu hinterfragen. Alle Teilnehmer sollten die Möglichkeit haben, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Es geht dann nicht darum, wer Recht hat. Ziel ist es, einen Kompromiss zu finden, mit dem alle gut leben können.

Wichtig: Der Anlass für den Streit sollte immer herausgefunden werden. Nur so können Eltern auch in aller Ruhe schauen, wie sie eine Lösung finden, die für alle Kinder fair ist.

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