Ein Thema, das besonders häufig aufgegriffen wird, ist das Hinsetzen von Babys. Es liegt in der Natur des Babys, dass es innerhalb einer kurzen Zeit sehr viel lernen möchte und Interesse daran hat, alles zu sehen. Aus dem Wunsch heraus, ihr Kind zu unterstützen, helfen viele Eltern dabei, in dem sie das Baby hinsetzen.

Vom passiven Hinsetzen wird gesprochen, wenn ein Baby hingesetzt wird, ohne dass es selbst in der Lage ist, sich in den Sitz zu bringen. Auch wenn es gut gemeint ist, sollten Eltern sich bewusst machen, dass sie ihrem Kind damit nicht helfen, sondern ihm sogar schaden können.

Erst krabbeln – dann sitzen

Der klassische Entwicklungsschritt, der vor dem Sitzen durchlaufen wird, ist das Krabbeln. Notwendig ist er deshalb, weil das Baby erst in den Schrägsitz geht und dann lernt, sich hier auszubalancieren. Über die Sitzbeinhöcker schiebt es sich in den Sitz. Die Beine geben dabei eine praktische Stütze. Sie werden entweder gestreckt oder gebeugt. Ein Baby kann ab dem Moment frei sitzen, in dem es sich selbst hinsetzt und sich nicht mehr abstützt.

Abhängig von der Entwicklung ist dies normalerweise zwischen dem 9. und 12. Lebensmonat der Fall. Da jedes Kind ein anderes Tempo hat, lassen sich keine allgemeinen Aussagen dazu treffen, wann Babys selbst sitzen können. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass ein Baby nicht allein sitzen kann, wenn es durch Dritte in die Sitzposition gebracht wird. Auch dann, wenn es sich in der Position halten kann, gilt dies nicht als freies Sitzen.

Wie das Baby schließlich selbst in den Sitz kommt, hängt von dem Kind selbst ab. Es gibt die Möglichkeit, dass es sich über die Seite in den Sitz begibt. Vielleicht stellt es sich aber auch erst hin und geht aus dem Stand in den Sitz. Grundsätzlich sollten Eltern das Baby machen lassen und in diesem Bereich keine Unterstützung geben.

Warum ist es so wichtig, dass dein Baby sich selbst hinsetzt?

Unzufriedene Babys sind natürlich etwas, das auch Eltern Bauchschmerzen bereitet. Es scheint so einfach zu sein: Hat das Baby gerade noch genörgelt und war unzufrieden, löst sich das auf, wenn es von Mama oder Papa in den Sitz gebracht wird. Hier sieht es natürlich mehr und hat ganz andere Möglichkeiten, als aus der Bauch- oder Rückenlage. Was gut gemeint ist, kann das Baby aber in seiner Entwicklung einschränken.

Im menschlichen Gehirn befinden sich Nervenzellen, die miteinander verknüpft sind. Durch die Bewegungen des Körpers werden diese Verbindungen aktiviert. Auf diese Weise können sie sich stabilisieren. Wenn ein Baby die Bewegungen nur selten oder gar nicht ausführt, werden auch die Verbindungen nicht aktiviert. Die Verknüpfungen verkümmern. Das Baby lernt nicht, bestimmte Bewegungen zu festigen. Später kann sich dies darin zeigen, dass das Kind motorisch nicht so gut entwickelt ist, wie Gleichaltrige.

Wird das Baby nicht hingesetzt, passieren im Kopf ganz viele Dinge. Die kleinsten Schritte helfen dabei, die Verknüpfungen zu stärken. Zudem gibt es dem Kind Sicherheit, die Bewegungen selbst zu lernen. Es lernt die Unterschiede der Höhe zu erkennen und fühlt sich deutlich sicherer, wenn es in den Sitz kommt.

Das Training der Muskelgruppen spielt eine besonders wichtige Rolle. Wenn ein Baby allein lernen kann, zu sitzen und zu krabbeln, trainiert es alle Positionen immer wieder. Es kombiniert bekannte Bewegungen und neue Positionen und fördert damit die eigene körperliche Entwicklung. Wird dem Baby nicht geholfen, nimmt es jeden kleinen Entwicklungsschritt mit.

Tipp: Jedes Baby hat den Drang, mit seinen Bewegungen nach oben zu gehen. Das heißt, früher oder später wird ein gesundes Baby es auch schaffen, sich selbst hinzusetzen.

Was passiert, wenn ein Baby hingesetzt wird?

Natürlich möchten Eltern ein zufriedenes Baby. Dennoch ist es wichtig sich bewusst zu machen, was passieren kann, wenn der Nachwuchs immer wieder hingesetzt wird, obwohl er noch nicht selbst sitzen kann. Mögliche Probleme und Folgeschäden sind:

  1. Eine falsche Belastung der Wirbelsäule und Bandscheiben

Wird ein Baby hingesetzt, obwohl es noch gar nicht sitzen kann, muss es sich austarieren und nutzt dazu seinen Rumpf. Dies ist eine Belastung für die Bandscheiben und die Wirbelsäule, die auf diese Belastung noch gar nicht ausgelegt sind. Schäden zeigen sich häufig in den folgenden Jahren in Form von Rückenschmerzen.

  1. Geringe Frustrationstoleranz

Kommt ein Baby in den Sitz, obwohl es dies noch gar nicht allein kann, kommt es auch nicht an die Spielsachen heran. Es hat keine Möglichkeit, sich vom Sitz wieder in eine andere Position zu begeben. Das bringt Frust mit sich. Um diesem Frust entgegenzuwirken, helfen die Eltern aus und reichen das Spielzeug. Eine geringe Frustrationstoleranz ist die Folge.

  1. Fehlende Förderung des Selbstbewusstseins

Bereits im Babyalter wird der Grundstein für ein gesundes Selbstbewusstsein gelegt. Das Durchhaltevermögen, welches notwendig ist, um selbst in den Sitz zu kommen, geht verloren, wenn das Baby hier Unterstützung bekommt. Dadurch wird auch das Selbstbewusstsein nicht oder nur unzureichend gestärkt.

Auch wenn es schwer ist, hilft es dem Baby mehr, wenn Eltern es in seiner motorischen Entwicklung kaum bis gar nicht dadurch unterstützen, dass Entwicklungsschritten vorgegriffen wird.

by //