Der Wunsch nach einem zweiten Kind stellt Eltern vor die Frage, wie das Erstgeborene wohl damit umgehen wird, nicht mehr allein zu sein. Während wir uns meist vorstellen, dass es eine wunderschöne Zeit zu viert wird, sind Kinder unsicher im Umgang mit der neuen Situation. Bereits vor der Geburt können Eltern damit beginnen, das große Geschwisterchen sanft vorzubereiten.

Natürlich spielt das Alter der großen Schwester oder des großen Bruders eine Rolle dabei, wie das Geschwisterchen angenommen wird. Gerade Kleinkinder können noch nicht verstehen was es bedeutet, dass Mama einen dicken Bauch bekommt und irgendwann plötzlich ein weiterer kleiner Mensch bei ihnen wohnt. Größere Kinder jedoch können bereits sehr gut mit in die Vorbereitungen einbezogen werden.

Die Entthronung – was bei den großen Geschwistern passiert

Die Problematik, die sich bei einem Geschwisterchen einstellt, wird gerne auch als Entthronung bezeichnet. Das erste Kind hatte seine Eltern eine ganze Zeit für sich. Es bekam die gesamte Aufmerksamkeit, konnte sich darauf verlassen, dass immer jemand Zeit hatte. Kommt nun ein Geschwisterchen, ist vor allem die erste Zeit für alle Parteien nicht leicht.

Leidet das Kind unter der Entthronung, wird sich dies bemerkbar machen. Es muss sich dabei nicht unbedingt um Eifersucht handeln. Viele Kinder richten ihre Ängste, Sorgen und Unsicherheiten gar nicht gegen ihre Geschwister. Stattdessen versuchen sie, die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zu ziehen. Sie machen scheinbare Rückschritte, haben einen sehr hohen Bedarf an Körpernähe oder werden lauter.

Besonders stark zeigt sich dieses Verhalten, wenn die Kinder nicht ausreichend vorbereitet werden. Inzwischen gibt es in Krankenhäusern und auch in Geburtshäusern Geschwister-Kurse. Hier wird kindgerecht erklärt, was passiert, wenn ein Geschwisterchen kommt. Gerade für Kinder ab einem Alter von drei bis vier Jahren sind die Kurse sehr gut geeignet.

Die wichtigsten Tipps für Eltern – so werden Kinder auf ein Geschwisterchen vorbereitet

Macht sich erneut Nachwuchs auf den Weg, sind Eltern unsicher, wie sie sich ihrem Erstgeborenen gegenüber verhalten sollen. Einige Tipps können dabei helfen, sanft, Schritt für Schritt und kindgerecht das neue Geschwisterchen schon vor der Geburt in die Familie einzuführen:

  1. Die Suche nach dem passenden Zeitpunkt für die Verkündung

Ganz besonders wichtig ist es, mit der Verkündung zu warten. Viele Eltern möchten die werdenden Geschwister gleich an der frohen Botschaft teilhaben lassen. Gerade kleine Kinder können sich jedoch noch nichts darunter vorstellen, wie lange eine Schwangerschaft dauert. Die Information, dass Mama ein Baby bekommt, wird zwar aufgenommen, das Geschehnis selbst ist aber noch weit weg. Hier reicht es aus, einige Wochen vor der Entbindung vom Geschwisterchen zu erzählen.

Ältere Kinder können schon früher eingeweiht werden. Zeigt sich langsam der Bauch, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen. Eltern sollten sich auf Fragen vorbereiten.

  1. Ehrliche Antworten

Ehrliche Antworten sorgen dafür, dass Kinder bereits gut informiert in ihre neue Aufgabe als großes Geschwisterkind hineingehen. Es ist nicht hilfreich, die Zeit mit dem Bruder oder der Schwester schön auszumalen. Babys möchten umsorgt werden. Sie weinen und sie brauchen die ganze Aufmerksamkeit von Mama und Papa. Das sollte auch kindgerecht an die älteren Kinder weitergegeben werden. Hier ist es wichtig, ehrlich aber dennoch positiv zu antworten. Ideal ist es darauf hinzuweisen, dass der kleine Bruder oder die kleine Schwester bestimmt öfter weinen werden, weil sie noch sehr klein sind und Hilfe brauchen.

  1. Gemeinsam vorbereiten

Es kann eine schöne Idee sein, gemeinsam das Zimmer für das Baby vorzubereiten, auf die Suche nach tollen Namen zu gehen und Babybilder vom großen Geschwisterchen anzusehen. Wichtig ist es, Kinder nur in die Entscheidungen einzubeziehen, mit denen Eltern auch leben können. Wählt das große Geschwisterkind den Platz für das Babybett aus und steht es dann doch woanders, kann das zu Enttäuschungen führen.

  1. Keine Erwartungen an das große Kind haben

Enttäuschungen über das Verhalten des großen Kindes, erfahren Eltern vor allem dann, wenn sie große Erwartungen hatten. Am besten ist es, gar keine Erwartungen zu haben. Zudem sollten dem Kind keine Gefühle aufgezwungen werden. Erzählen Eltern immer wieder, dass man das Baby auf jeden Fall sehr lieb haben muss, erzeugt das viel Druck. Ist das Geschwisterchen dann geboren und das Gefühl der Liebe kommt nicht gleich auf, kann dies Kinder stark verunsichern.

Nie verkehrt ist es, für das große Kind auch exklusive Zeit einzuplanen. Gemeinsam ein Eis essen gehen, am Abend ein Puzzle zusammen machen oder einen Kuchen backen – abhängig vom Alter der großen Geschwister lassen sich verschiedene Aktivitäten in den Tag einbauen. Schon wenig Zeit reicht aus, um das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit für die älteren Kinder auch nach der Geburt des Geschwisterchens zu verstärken.

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