Der einfachste Weg um Aufmerksamkeit zu bekommen? Nehmt ein Baby mit Brille überall hin mit. Es funktioniert garantiert!

Der Mausbär trägt eine Brille. Schon seit einem Jahr, also seit er etwa sechs Monate alt ist. Seit dem können wir nicht mehr mit Bus oder Bahn fahren, in den Supermarkt oder auf den Spielplatz gehen, ohne darauf angesprochen zu werden.

Dabei gibt es Fragen, die ich durchaus nachvollziehen kann, und andere, die mich doch etwas verwundern. Etwa „Warum hat das Baby eine Brille?“… Was soll man da sagen? Er kann halt ohne Brille nichts sehen.

Vermutlich ist das nur ein etwas unglücklich formulierter Gesprächsanfang. Aber glaubt mir, wenn man das dreimal täglich hört, werden die freundlichen Erklärungen irgendwann kürzer.

Ich habe mir irgendwann lustige Antworten ausgedacht. Für euch hier einmal die Top 3:

  • „Oh, die braucht er eigentlich nur zum Lesen oder beim Autofahren, aber wir haben das Etui zu Hause vergessen.“
  • „Weil er zu früh zu viel fern gesehen hat.“
  • „Wir kommen aus Berlin, da trägt man das jetzt so.“
Weitsichtigkeit bei Babys – woran merkt man das?

Eine andere Frage, die häufig gestellt wird (ja, auch von völlig Fremden in der U-Bahn) lautet: „Wie haben Sie denn festgestellt, dass das Baby eine Brille braucht?“ Gerade bei einem sechs Monate alten Baby ist das eine verständliche Frage. Der Mausbär hat nie geschielt und auch immer zielgerichtet nach Dingen gegriffen. Es war einfach so, dass er schon von der Form her die Augen vom Papabär geerbt hat. Und die sind und waren auch schon immer ziemlich schlecht. Es gab eine 50/50 Chance und der Mausbär hat da leider etwas Pech gehabt.

Eine Freundin erzählte mir, dass sie mit ihrer Tochter schon recht früh bei einem Augenarzt speziell für Kinder war und ich dachte mir, dass das vielleicht gar keine so schlechte Idee sei. Kurze Zeit später hatten wir auch einen Termin.

Mit dem Baby beim Augenarzt

Die nächste Frage ist dann mit ziemlicher Sicherheit: „Und wie untersucht man das bei einem Baby?“ Klar, der Mausbär kann noch keine Zahlen- und Buchstabenreihen vorlesen oder sagen ob das oder dieses Glas besser oder schlechter ist. Er bekam Augentropfen und musste in einen Apparat schauen, möglichst auf ein Blümchen fokussieren, das darin zu sehen war. Seine Augäpfel wurden vermessen. Sind sie zu kurz, dann ist das Auge weitsichtig, bei einem zu langen Augapfel hingegen kurzsichtig. Weicht die Wölbung der Hornhaut von der Kugelform ab, spricht man von Hornhautverkrümmung.

Beim Mausbär kam heraus, dass er eine Hornhautverkrümmung hat und stark weitsichtig ist. Säuglinge sind zwar immer etwas weitsichtig, aber seine 6 Dioptrien gingen dann doch über das Normale hinaus.

Das Verhalten des Mausbär war trotzdem normal, weil das Gehirn bei so Kleinen den Sehfehler noch komplett ausgleicht. Er selbst hatte also gar nicht bemerkt, dass er weitsichtig ist. Dennoch sei es wichtig, schon früh mit der Korrektur durch eine Brille zu beginnen, sagte die Ärztin. Nur so könne sein Gehirn das Sehen richtig lernen. Und so bekam der Mausbär also mit etwa sechs Monaten eine Brille.

Keine Angst vor Hänseleien!

Er hat nie versucht, sie sich selbst abzuziehen und sieht damit richtig schnuckelig aus. Viele nennen ihn den „kleinen Professor“, eine Assoziation, die durch die abstehenden hellblonden Locken noch verstärkt wird. Ich find’s niedlich. Angst vor Spitznamen in der Zukunft und Hänseleien in der Schule habe ich eigentlich nicht. Brillen sind inzwischen so normal und spätestens seit Harry Potter und den Minions doch auch ziemlich cool.

Und der Mausbär wächst so selbstverständlich damit auf, ich glaube, auch ihn wird es nicht stören. „Brille“ ist tatsächlich sogar eines seiner ersten Wörter und er legt großen Wert darauf, dass alle ihre Brille tragen. Will er morgens, dass wir endlich aufstehen, läuft er ums Bett, holt Papas Brille vom Nachttisch und gibt sie ihm. Kaum ist er bei Opa auf dem Arm, zieht er dessen Lesebrille aus der Jacket-Tasche und will, dass er sie aufsetzt. So etwa macht doch nur jemand, der seine eigene Brille gern trägt. Oder?

 

 

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