Wenn es Zeit für die Beikost wird, ist das für Eltern und Kind gleichermaßen aufregend und spannend. Die erste feste Nahrung ist ein Meilenstein, der die Türen zu einer besonderen Welt öffnet. Während früher nicht hinterfragt wurde, ob sich Brei für den Einstieg eignet, gibt es heute einen Trend, der sich als eine sehr gute Alternative oder Ergänzung eignet: BLW.

BLW steht für Baby-Led Weaning. Bei dieser Form der Beikost geht es darum, auf Brei zu verzichten (Stichwort: Breifrei) und dem Baby die Möglichkeit zu geben, sich in seinem eigenen Tempo von der Milch zu entwöhnen und an das Essen zu wagen. Die Führung wird also dem Kind übertragen. Es darf sich selbst austesten beim Essen, in Ruhe entscheiden, was und wie viel es essen möchte und kann jederzeit weiter seine Milch erhalten. Während es beim Brei darum geht, nach und nach die Milchmahlzeiten komplett zu ersetzen, stellt BLW eine besondere Form der Beikost dar.

Die Beikostreifezeichen als Basis für BLW

Bevor die Entscheidung fällt, mit der Beikost zu beginnen, ist es wichtig, sich mit den Beikostreifezeichen zu beschäftigen. Diese Zeichen sind ein Hinweis dafür, dass das Baby bereit für die feste Nahrung ist. Sie bestehen aus:

  • Das Baby kann sitzen.
  • Das Baby kann seinen Kopf halten.
  • Das Baby greift nach der Nahrung.
  • Das Baby führt sich die Nahrung zum Mund.
  • Der Zungenstoßreflex hat sich zurückentwickelt.
  • Das Interesse am Essen ist da.
  • Das Baby bewegt seinen Mund, wenn es andere um sich herum essen sieht.

Die Empfehlung lautet, die Beikost erst dann zu beginnen, wenn alle dieser Zeichen auch erfüllt sind.

Wie ist BLW eigentlich entstanden?

Wir haben zu Beginn dieses Beitrags erwähnt, dass es sich bei BLW um einen Trend handelt. Das ist so natürlich nicht ganz richtig. Tatsächlich ist das sogenannte „Breifrei“ gar nicht unbedingt neu. Bisher gab es dafür allerdings keine Bezeichnung. Es gab schon immer Kinder, die mit Brei wenig oder auch gar nichts anfangen konnten und ihn verweigert haben. Eltern hatten dann nur die Alternative, ihnen feste Nahrung anzubieten. Es gibt aber auch schon immer Eltern, die ihren Kindern gar keinen Brei angeboten haben. BLW ist also lediglich eine Bezeichnung für eine Form der Beikosteinführung, die bereits seit vielen Jahren genutzt wird.

Wie fange ich mit BLW an?

Wer mit BLW beginnen möchte sollte sich unbedingt bewusst machen, dass es bei dieser Form darum geht, dem Baby die Möglichkeit zu geben, das Essen zu entdecken. Es ist also durchaus möglich, dass sehr viel daneben geht. Das Baby wird die Nahrung anfassen, sie zum Mund führen und wieder ausspucken, sie auf den Boden werfen, zerdrücken und in den Händen fühlen wollen. Das kostet Zeit, Aufwand und auch Nerven. Wenn sich Eltern jedoch darauf einlassen, geben sie ihren Kindern die wertvolle Erfahrung mit, das Essen von Beginn an kennenlernen zu dürfen.

Für den Anfang ist es wichtig daran zu denken, dass nach wie vor die Milch im Fokus steht. Die feste Nahrung ist nur ein nettes Beiwerk. Oft kommt dabei jedoch die Frage auf, mit was begonnen werden kann. Die Idee bei BLW ist auch, dass die Kinder von Anfang an mit am Familienessen teilnehmen. Eltern bieten ihren Kindern also in abgeschwächter Form das an, was sie selbst auch essen.

Dennoch gibt es natürlich einige Lebensmittel, die besonders gut geeignet sind. Beim Gemüse sind das:

  • Kartoffeln
  • Kohlrabi
  • Kürbis
  • Pastinake
  • Karotten
  • Zucchini
  • Süßkartoffeln
  • Gurke
  • Blumenkohl
  • Brokkoli
  • Avocado

Alle Lebensmittel werden ungewürzt angeboten und sollten von einer sehr guten Bio-Qualität sein. Eine Empfehlung lautet, das Gemüse zu dünsten. Das hat den Vorteil, dass es schön weich ist und mit der Zunge zerdrückt werden kann. Zudem verringert sich die Gefahr des Verschluckens. Das Gemüse sollte gut zu greifen sein. In Form von Sticks geschnitten, klappt das besonders gut.

Obst bei BLW – diese Früchte dürfen nicht fehlen

Neben Gemüse ist natürlich auch Obst ein besonders wichtiger Faktor beim BLW. Apfel und Banane, Birne und Mango, Pflaume und Erdbeeren oder Himbeeren werden besonders gerne von den Kleinsten genommen. Wer Weintrauben anbieten möchte, sollte diese unbedingt halbieren, damit sich das Baby daran nicht verschlucken kann. In den Sommermonaten steht auch die Melone hoch im Kurs und wird von den Kleinsten heiß geliebt.

Neben Obst und Gemüse können auf diese Weise auch Brot und Brötchen, Wurst und Käse und sogar Fleisch eingeführt werden. Es ist bei keinem Lebensmittel notwendig, es zu Brei zu verarbeiten.

Babys lernen auf diese Weise die unterschiedlichen Konsistenzen kennen. Sie fangen früh an, ihre Kaumuskulatur zu trainieren, bekommen ein Gefühl für die Nahrungsmittel und entdecken verschiedene Geschmacksrichtungen.

BLW und Brei kombinieren – eine gern genutzte Alternative

Natürlich ist es auch möglich, Brei und BLW zu kombinieren. Wer gerne zum Mittagessen das Gemüse püriert anbieten möchte, für unterwegs aber den gedünsteten Apfel in der Dose mit dabei hat, der findet ebenfalls einen Weg für sich und sein Kind.

Übrigens: Nicht jedes Baby findet sich gleich bei BLW zurecht. Einige Kinder fassen nicht gerne Lebensmittel an, mögen das Gefühl von Stückchen im Mund nicht oder interessieren sich schlicht nicht für das feste Essen. Daher ist es wichtig, dass Eltern offen gegenüber allen Formen der Beikost sind und herausfinden, was für den Nachwuchs die beste Lösung ist.

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